Wir wurden zu einem Experten-Workshop im Umweltministerium eingeladen. Offizieller Titel der heute stattgefundenen Veranstaltung war: “Förderung von Ressourceneffizienz im Rahmen der Verbraucherberatung im Web 2.0″. Das Grundproblem war, dass es damit eigentlich schon um zwei Themen ging: Ressourceneffizienz, die es nach der Energieeffizienz in das kollektive Bewusstsein schaffen soll, und Peer-to-Peer-Verbraucherberatung. Das sorgte dafür, dass die Diskussion von Teilnehmern aus der Web-Welt und Ämtern bzw. Instituten nicht immer so tiefgehend war, wie von mir erwartet.
Unsere Grundthese ist ja, dass alle Deutschen fast alle Informationen haben, um umfassende Transparenz für den Verbraucher zu erzielen. Außerdem haben wir ein Fundament an technischen Mitteln, um diese zur Verfügung zu stellen oder mit Produkten, Produktkategorien oder Herstellern zu verknüpfen. Die Praxis ist leider nicht immer so leicht wie diese Grundformel.
Und so ging es schnell zu den Praxisbeispielen: Das coole und finanziell klamme Utopia machte den Anfang. Seit dem Wochenende haben sie sich geöffnet und alle Blogs der Utopisten sind auch ohne Zwangs-Login erreichbar und prompt die meistgeklickten Artikel. In Zukunft ist unter anderem ein Shopping-Guide namens “Utopia Guide” geplant. Hier sollen auch Second Hand-Produkte sowie Tauschtransaktionen möglich sein, ist aber aus meiner Sicht zum Teil ein Schritt in Richtung Shopping-Provisionen (was wir auch machen). Der redaktionelle Aufwand für einen von Experten geprüften Guide sei zu hoch gewesen und ich bin gespannt, wie dann der Katalog zusammengestellt und bewertet werden soll. Ich nehme an, dass die Utopisten hierbei die bestimmende Rolle spielen, aber gerade bei CSR-/ Sozialverantwortungs-Informationen ist User generated Content vielleicht derzeit noch nicht der Königsweg. In Kürze hier mehr, wie wir das lösen wollen.
Weiter ging’s mit onedidit.com, einem Online-Rechner mit dem man seine persönliche Ressourcen-Effizienz berechnen kann. Probiert’s mal aus. In der Diskussion wurde festgestellt, dass Rechner grundsätzlich mehr am Verkaufsort eingebunden werden sollten. Das nehme ich gerne als Arbeitsauftrag für uns mit. Etwas schlanker als onedidit müssten sie dann schon sein. Grundsätzlich kam auch öfter die Frage hoch, wie wir alle es messbar machen können, wie bzw. ob die Verbraucher grüne Informationsquellen nutzen. Gute Frage, die wir auch mit barcoo derzeit nicht ausreichend beantworten können.
Die ehrwürdige Stiftung Warentest präsentierte ihren Status und zukünftige Pläne. 3% der Besucher auf test.de kaufen auch ein, aber der Online-Umsatz macht immer noch nur gut 3% der Gesamtumsätze aus (ungeachtet des hohen Vertriebsanteils für die Printprodukte über die Website). Neben diesem starken Printbezug ist für die Stiftung auch ein Grundproblem, dass die Produktlebenszyklen immer schneller werden. Ein ordentlicher Test für eine Waschmaschine beinhaltet einen 6-Monate-Betrieb und dann ist das Gerät vielleicht vielleicht schon wieder durch ein neues Modell abgelöst. Zukünftig wollen sie mehr Produktfinder einbauen, SEO betreiben und in das “verteilte Internet” gehen (Facebook und Co.). Die Angebote sollen mobil verfügbar gemacht werden und es soll mehr User generated Content eingebunden werden, wobei die Manipulationsgefahr für test.de noch größer sei als bei anderen Portalen. Es wird wohl nicht jeder alles kommentieren dürfen. Grundsätzlich können Nutzer manche Fragen besser beantworten als die Stiftung selber (z.B. den Kundenservice) und somit soll eine Kombination aus Expertenwissen und wertvollem Nutzerwissen entstehen. Ganz bewusst (und aus meiner Sicht auch besser so) soll keine Kopie von Ciao, dooyoo und Co. entstehen.
Social Media und andere potente Hebel wurden immer mal kurz erwähnt, sind aber aus meiner Sicht viel zu kurz gekommen. Insbesondere wenn man den Teil-Titel der Veranstaltung zum Anspruch nimmt. AlaTest war hier die rühmliche Ausnahme, es wurde berichtet, dass sie damit experimentieren die Nutzerkommentare semantisch auszuwerten. Das Fazit des Workshops war dann auch, dass wir …
- … im Bereich der Ressourceneffizienz ein Datenproblem haben. Auf Produktebene liegen hier eigentlich keine Daten vor und selbst auf Kategorieebene kann man “nur” Handlungsempfehlungen aussprechen.
- … bei dem Datenproblem “Web 2.0″ nur wenig helfen würde. Insbesondere diesen Punkt sehe ich ohne konkreten Vorschlag jedoch anders. Auch die Frage, ob erst ein Grundverständnis der Verbraucher für Ressourceneffizienz existieren muss, bevor sie eigene Erfahrungen sinnvoll kommunizieren können, würde ich so beantworten, dass dies gut ein synchroner Prozess sein könnte.
- … uns fragen müssen, ob es überhaupt politischen Handlungsbedarf gibt, Kooperationsmöglichkeiten zwischen Web2.0-Akteuren und dem Umweltministerium zu fördern. Um das zu beantworten haben aus meiner Sicht leider namhafte Web2.0-Akteure gefehlt.