Diese 11 Fakten sollten wir kennen, bevor wir das nächste Mal über Abtreibungen reden!

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Foto: “selfie” von iulia Pironea, CC BY-ND 2.0
Photo von Marion
02.06.2016

Bei Abtreibungen hat jeder eine Meinung, nur die wenigsten kennen aber überhaupt grundlegende Fakten zu dem Thema.

Wir wissen zu wenig

Sprechen wir über Abtreibungen, gibt es in der Regel drei Gruppen: Abtreibungsgegner, Abtreibungsbefürworter und die “Abtreibungen ja, aber nur wenn …”-Fraktion. Position beziehen wir meist aus einer moralischen oder religiösen Überzeugung heraus. Allerdings kennen nur wenige tatsächlich die rechtlichen, medizinischen oder emotionalen Details.

Abtreibungen sind zwar in der öffentlichen Diskussion, bleiben aber ironischerweise trotzdem ein Tabu. Frauen, die abgetrieben haben, sprechen fast nie darüber, auch nicht mit engen Freunden oder Verwandten – häufig aus Angst, für ihre Entscheidung verurteilt zu werden.

Pssst Foto: “Hush!” von LaVladina, CC BY 2.0

1. Schwangerschaftsabbrüche sind rechtswidrig

Bis zu fünf Jahre Haft sieht § 218 StGB bei einem Schwangerschaftsabbruch vor. In der Praxis sind Abtreibungen seit 1993 straffrei, wenn die Frau an einer vorhergehenden Beratung teilnimmt, bleiben aber rechtswidrig. Nur wenn medizinische oder kriminologische Gründe für die Abtreibung vorliegen, ist sie nicht rechtswidrig.

2. Nur die wenigsten Abtreibungen haben medizinische oder kriminologische Ursachen

Nur etwa vier Prozent der Abtreibungen haben eine sogenannte medizinische oder kriminologische Indikation. Das bedeutet, dass die Gesundheit der Mutter durch die Austragung des Babys gefährdet ist oder sie z. B. vergewaltigt wurde.

3. Wer abtreiben will, muss eine Beratung machen

Will eine Frau ohne medizinische oder kriminologische Indikation abtreiben, muss sie an einer Schwangerschaftskonfliktberatung teilnehmen. Diese wird von Ärzten, Kommunen oder Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder Pro Familia angeboten. Der Arzt, der die Beratung durchgeführt hat, darf nicht die Abtreibung vornehmen.

4. Nach der Beratung muss man drei Tage warten

Warten Foto: Giphy

Erst am vierten Tag nach der Schwangerschaftskonfliktberatung darf die Abtreibung vorgenommen werden. Dies soll der Frau Bedenkzeit geben und die Möglichkeit, ihre Meinung zu ändern. Für viele Frauen sind diese Tage des Wartens aber auch eine psychische Qual, da sie den Schwangerschaftsabbruch so schnell wie möglich hinter sich bringen wollen.

5. Die Kosten müssen selbst bezahlt werden

Treibt eine Frau ohne medizinischen oder kriminologischen Grund ab, muss sie die Kosten selbst tragen. Je nach Praxis, Methode und Versicherung muss sie dafür 200 bis 570 Euro auftreiben. Die Kosten für die Vor- und Nachbehandlung der Abtreibung werden von den gesetzlichen Kassen übernommen. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten hingegen nicht. Frauen mit geringem Einkommen können bei einer gesetzlichen Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.

6. Bis zur 14. Schwangerschaftswoche ist die Abtreibung straffrei

Kalenderblatt Foto: © barcoo

Seit der Befruchtung dürfen nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein. Das entspricht der 14. Schwangerschaftswoche, gerechnet ab dem ersten Tag der letzten Periode. Einige Praxen nehmen den Eingriff allerdings nur bis zu zehn oder zwölf Wochen nach Beginn der letzten Regelblutung vor. Medikamentöse Abtreibungen sind generell nur bis zur neunten Schwangerschaftswoche – also der siebten Woche nach der Befruchtung – möglich.

7. Die häufigste Methode ist die Absaugung

Etwa 70 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche werden mittels Absaugung vorgenommen. Das ist die schonendste instrumentelle Methode. Dabei wird eine dünne Kanüle in die Gebärmutter eingeführt und mit ihr das Schwangerschaftsgewebe abgesaugt. Das Ganze dauert etwa fünf bis zehn Minuten und kann krampfartige Schmerzen – ähnlich Regelschmerzen – verursachen. Knapp 17 Prozent der Frauen treiben mit dem Medikament Mifepriston ab.

8. Abtreibungen sind ungefährlicher als Schwangerschaften

Nur in etwa 0,5 bis 1 Prozent der Fälle kommt es zu Komplikationen bei der Abtreibung. Zum Vergleich: Während der Schwangerschaft erleben rund zehn Prozent der 20- bis 29-jährigen Frauen Komplikationen.

9. Etwa 100.000 Abtreibungen werden in Deutschland jährlich durchgeführt

2015 wurden in Deutschland 99.200 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Das sind 0,5 Prozent weniger als 2014. Knapp drei Viertel der Frauen waren zwischen 18 und 34 Jahre alt.

10. Der Embryo spürt von der Abtreibung nichts

97 Prozent der Abtreibungen werden durchgeführt, bevor der Embryo Schmerzempfinden und Bewusstsein entwickelt hat. Schmerzen kann ein Embryo erst ab der 20. bis 22. Schwangerschaftswoche wahrnehmen.

11. Das Post-Abtreibungssyndrom gibt es nicht

Dass Frauen ihre Abtreibung ein Leben lang bereuen, ja nach dem Eingriff sogar in eine regelrechte Depression verfallen, ist ein Mythos. Das Post-Abtreibungssyndrom wird von keinem seriösen Forschungsinstitut als Krankheit anerkannt. Zuletzt kam eine dreijährige Studie der University of California zu dem Ergebnis, dass 95 Prozent der Frauen ihre Entscheidung nicht bereuen – weder kurz nach der Abtreibung noch Jahre später.

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